Start Athleten Trainings - Blog Ultralauf dahoam von Mane Seebauer

Ultralauf dahoam von ::Mane Seebauer::

Endlich wieder ein Wettkampf ganz nach meinem Geschmack! Eine besondere Herausforderung stand an, nämlich der Ultralauf beim Landkreislauf Regensburg. Dieser ist eigentlich als Staffellauf vorgesehen, aber ca. 20 Verrückte versuchen die Strecke von 84 km im Alleingang zu bezwingen.

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Laufen ist meine eigentliche Leidenschaft. Da ich aber nicht zu einseitig trainieren wollte, probierte ich es letztes Jahr mit Triathlon. Ich war sofort Feuer und Flamme, allerdings konnte ich in den Wettkämpfen nie ganz vorne mitmischen, da jede Schwimmeinheit für mich eine Nahtoderfahrung ist und ich auch nicht so gerne auf dem Rennrad Kilometer fresse. Im Gegensatz dazu die Ultraläufe, da konnte ich bei den bisher absolvierten Läufen jeweils in den Top10 landen.

Dieses Mal startete ich unter schlechten Vorzeichen. Nach meinem ersten Ironman (Regensburg) war ich bis kurz vor dem Ultralauf verletzt. Gut zwei Wochen vorher habe ich den Ralf Preißl gefragt, ob ich überhaupt antreten soll. Ralf meinte, wenn ich es nicht schaffe, wer dann? Er half mir mit gezielten Trainingsreizen wieder in die Spur zu kommen. Trotzdem hatte ich Bedenken, erfolgreich finishen zu können. Eine Sorge weniger hatte ich, als mir Christian Rasp zusicherte, dass seine Staffel, die FFW Schierling, mir meine NFT Eigenverpflegung an den jeweiligen Verpflegungsstationen bringt.

Am 15.09.12 um neun Uhr fiel dann der Startschuss in Köfering und die Ultras sowie die Startläufer der über 250 Teams gingen auf die Strecke. Mein guter Vorsatz, mit konstant niedrigem Puls im sogenannten Grundlagenbereich zu laufen, war nach den ersten beiden hügeligen Etappen hinfällig. Zu groß waren meine Bedenken, den Anschluss an die Top10 Ultras zu verlieren, da der Inder Vinodkumar Shrinivas und der Franzose Jean-Mary Martel furios startenden und sehr schnell nicht mehr zu Gesicht zu bekommen waren. Mit einem Tempo von ziemlich genau 5:30 Min/km brachte ich die ersten 42km relativ problemlos hinter mich. Dies lag unter anderem auch an Fritz Pielmeier und der Laufprinzessin Rita, der mich ca. 10 km begleiteten. Dabei war ich abgelenkt und die Zeit verging wie im Fluge. Der Fritz hat mir sogar eine Flasche Isodrink besorgt, da die Staffel der FFW Schierling beim zweiten Etappenwechsel hinter mir lag und deshalb meine Eigenverpflegung noch nicht bereit stand.

Je länger der Lauf dauerte, umso härter wurde es. Die Beine mochten spätestens ab km 50 gar nicht mehr. Ich musste mich zwingen, einen Schritt vor den nächsten zu setzen. Ab km 60 wurde auch mein Geist schwach und ich nutzte grobe Schotterwege und Hügel um mehrmals vom Laufen ins Gehen zu wechseln. Je näher das Ziel kam, umso einsamer wurde es auf der Strecke. Die meisten Staffelläufer waren schon weg und mein MP3 Player hatte sich schon längst verabschiedet. Nachdem mich Max von der Staffel Reinhausen Power Composites auf der achten Etappe eingeholt wurde, begleitete er mich ca. drei km. Dieses Team hatte ich, wie bereits schon letztes Jahr, organisiert. Allerdings beschleunigte er im Sinne der Staffel auf den letzten km dieser Etappe so sehr, dass ich nicht mehr folgen konnte. Dafür schloss nun ein Läufer einer anderen Staffel auf mich auf, der den Wunsch äußerte, gemeinsam mit mir ins Etappenziel zu laufen. Er zollte mir Respekt für die neun km, die ich auf diesem Streckenabschnitt vor ihm lief. Diese Wertschätzung motivierte mich, auf den letzten 11 km zumindest wieder unter 6 Min/km zu laufen, nachdem ich zwischenzeitlich mehr als 6 Min/km brauchte. Ich rechnete mir aus, dann unter 8:30 Std ins Ziel zu kommen. Dafür musste ich aber richtig hart beißen. Ich schwor mir ca. 100-mal, nie mehr an einem Ultralauf teilzunehmen. Durch die lange Verletzungspause kamen meine Kraftausdauereinheiten viel zu kurz. Jeder Schritt wurde zur Qual. Auch als der Zielort Schierling ein paar km vorm Ende schon zu sehen war, hätte ich am liebsten aufgehört zu Laufen.  Der Ironman war dagegen ein Kinderspiel. Durch die Abwechslung und die unterschiedlich beanspruchten Muskeln, fällt einem der Triathlon  viel leichter.

Doch bedingungslos redete ich auf mich ein: weiter, weiter,...


Ca. 150 Meter vorm Ziel hatte ich durch den Endorphin Überschuss plötzlich wieder alle Kraft der Welt, sprintete wie verrückt los und setzte nach 8:27 Std. mit einem Luftsprung über die Ziellinie. Der Gewinner der Ultras, der Inder Vinodkumar Shrinivas, gratulierte mir als Erster zu meinem Platz 4 der Ultrawertung. Mein Ziel, die Top10 zu erreichen, war trotz schwieriger Bedingungen erreicht! Wir waren nur kurz ungestört, da nun von allen Seiten meine Freunde, die Sportfreaks der Laufstilanalyse.de und die Staffelteilnehmer der Reinhausen Power Composites über mich herfielen. Ein Freund fragte mich, wie ich nur in die Ultraszene reinrutschen konnte...

Wo war plötzlich mein fester Vorsatz, NIE mehr eine Ultrastrecke zu laufen? Der ging irgendwie im Freudentaumel unter. Natürlich bin ich beim nächsten Landkreislauf wieder mit dabei! Wieso nicht mal einen 100 km Ultra? Oder 100 Meilen? Ich brauche eine neue Herausforderung! Klingt irgendwie verrückt...

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