Start Athleten Trainings - Blog Wir schreiben den 31. August 2014

rouvenEin Jahr Training, davon 6 Monate mit Coach Preissl, unzählige Einheiten zu Fuß, auf dem Bike und ein paar im Wasser. Höhen und Tiefen im Kopf. 20 kg Gewichtsunterschied. Ein paar tausend Euro Equipment. All das zielgerichtet auf den einen Tag.


Heute


Wir schreiben den 31. August 2014 und der Ort ist Zell am See. Es lagen 1,9km Schwimmen, 90km auf dem Rad und noch ein Halbmarathon vor mir. Vor 6 Monaten habe ich zu Coach Preissl gesagt ich möchte finishen. Nach den Vorbereitungsevents Stadlauf MUC 21km in 1:43h und der olympischen Distanz am Tegernsee in 2:49h (easy) habe ich mir die Latte höher gelegt. Finishen in 5:30h. Alles lief gut aber dann. Am 9. August, das Ziel nur noch 3 Wochen entfernt macht der rechte hintere Oberschenkel beim Training auf dem Mountainbike zu. Nix geht mehr. Am Sonntag danach ist nach 20min easy biken auch wieder Schluss. Leider bin ich nicht direkt zum Arzt. Ich habe Voltaren und Finalgon gekauft und mit Schmerzen weiter trainiert. Am 16. August bei der nächsten/letzten harten Einheit dann die Klarheit – der Oberschnenkel macht das nicht mit. Am Dienstag dann direkt zum Arzt, erste Diagnose: Muskelfaserriss. Aus der Traum vom Ironman 70.3 in Zell. Am Donnerstag sollte das MRT Klarheit bringen und siehe da die Diagnose relativiert sich auf eine Einblutung im Muskel. Keiner hat eine Idee wieso und warum. Das gute daran: Zell ist wieder in greifbare Nähe gerückt. Ab jetzt und schon in der Tapering Woche angekommen jeden Tag Physiotherapie.

Ob ich starten kann und werde ist eigentlich eine Raceday Decisison aber in mir drin weiß ich genau ich werde an dem Sonntag im Wasser stehen und dann auf dem Rad schauen wie lange der Oberschenkel hält. Weit weg von allen Zeitzielen und mit Sinn und Verstand wollte ich das Rennen angehen. 900 Höhenmeter auf dem Rad und dann noch 21km - that's going to hurt. Schon am Freitag bin ich in Zell angereist und schon am Samstag am frühen Morgen zieht es mich ins Ferry Porsche Congress Center. Überall Ironman Fahnen, überall Athleten überall einfach Triathlon., Ironman 70.3 ist in der Stadt! Ich hole meine Unterlagen ab, gehe Merchandise shoppen und Airstreeem Räder streicheln. Beim Race Briefing werde ich das erste Mal so richtig nervös. Dann kommt auch schon der Danyo um die Ecke und dann gibt es quasi auch fast schon Abendessen. Noch schnell alles in die passenden Sackerl verpackt. Rad eingecheckt und die Wege in der Wechselzone gecheckt.  An Schlaf ist in der Nacht vor dem Rennen kaum zu denken. Schon alles dreht sich nur noch um das Rennen am nächsten Tag. Am Morgen dann 15 min vor der verabredeten Zeit schon in der Wechselzone. Getränke noch ans Rad. Goretex noch ins Radsackerl und dann auf den Danyo warten. Nur noch mein "Street Wear" Sackerl in der Hand treffe ich den Dani und der hat auch nur ein Sackerl und Getränke in der Hand. "Hey Dani, wo ist denn Dein Neo?" So ein Gesicht hab ich selten gesehen. Und wer hat ein Handy dabei? Na klar: Rubinator to the rescue. Danis Neo wird von seiner Frau angeliefert und dann kann es gleich losegehen.


Rennbericht:


Fuck open water ist für mich als schlechten Schwimmer beschissener als erwartet, die 1500m Kraul aus dem Freibad sind vergessen, ich schlucke beim Kraulen massiv Wasser und komme voll aus dem Konzept. Ab jetzt wird Brust geschwommen solange Hauen und Stechen im Wasser ist. Das sollte sich auch bei jeder Welle von nach mir startenden Agegroupern wiederholen. Aber ich groove mich im Wechsel zwischen Brust und Kraul ein und steige nach 42min aus dem Wasser. Beine noch fit! Aber wieder brauche ich ewig in der Wechselzone. Auf dem Bike geht es mit 155bpm Puls für meine Verhältnisse flott dahin und ich erreiche nach 35min den langen Anstieg mit 700 Höhenmetern. Bis zu 15% Steigung warten auf mich und den lädierten Oberschenkel. Nach 150HM meldet der sich auch schon brav. Ich kraxle easy hoch und oben am höchsten Punkt kommen auch die ersten Regentropfen. Bergab, bin ich ja noch nie gefahren und es ist die Hölle. Geprägt von Schiss und rauchenden Bremsen versuche ich die 15% Gefälle zu überwinden und kaum wird es flacher fängt es voll an zu pissen. Gut dass ich die GoreTex Jacke hinten im Trikot stecken habe. Der Rest der Radstrecke ist eher flach und trotz Regen macht es Spaß dem Halbmarathon entgegen zu fahren. Leider habe ich den Anstieg und den langsamen Abstieg voll unterschätzt und ich kann beim Radfahren die Zeit vom Tegernsee in keinster Art und Weise bestätigen. Jetzt freue ich mich auf den Halbmarathon. Und das ist echt super in Zell am See. Es werden Runden gelaufen und man hat immer anderen Athleten, die einem entgegenkommen. Immer schauen ob der Dani vorbeiläuft oder ob eine nette Blonde des Weges kommt hält die Konversation HungerPippiKalt schon ganz schön fern. Ich laufe ständig mit 165 Puls und auch gute 5.10-5.30 pro Kilometer. Die Pumpe könnte mehr aber der Oberschenkel ist mittlerweile komplett hart geworden. Jetzt heißt es nur noch finishen. Die Kilometer runterzuspulen fällt mir aber im Kopf sehr leicht. Die letzten 3 Kilometer trete ich nochmal voll auf die Bremse weil ich auch keinen Fall gehen will und der Oberschenkel macht zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön Disco. Jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem mir klar wird: ich werde finishen und das Gefühl kann man schlecht in Worte fassen. Vor 2 Wochen war laut Arzt des Olympiastützpunktes NRW nicht an einen Start zu denken und so in ca. 15. Minuten werde ich trotzdem die Ziellinie überqueren. Der letzte Kilometer gehört dann nur noch dem Genuss. Lächelnd an den Zuschauen vorbei heißt es jetzt Frisur richten für das Finisher Foto. Die Gerade in Richtung Ironman Ziellinie ist der Wahnsinn. Ich werde richtig langsam um das voll auszukosten und dann rüber über die Linie. Der Wahnsinn. Das kann mir keiner mehr nehmen! Und jetzt ist es Zeit Danke zu sagen. Zuerst mal Danke an den Mitstreiter Dani fürs Warten im Ziel, Danke an Coach Preissl für alle Pläne, Tips, Motivation und Rennstrategie, Danke an Kerstin für den Support am Rennwochenende, Danke an die Pyhisopraxis Mosaik in Kalk, danke an jeden der mit mir Sport gemacht hat und das Monster Danke an alle Helfer auf und um die Strecke.

Das Event werde ich nie vergessen.

rouven

 
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