Start Athleten Trainings - Blog Die beste Fehlentscheidung meines Lebens ::von Mane::

Die beste Fehlentscheidung meines Lebens!!!

20.09.2014: Total am Ende lag ich am Boden. Ausgepowert, nach Luft schnappend, von Freunden umgeben. Unkontrollierte Zuckungen jagen durch meine Beinmuskulatur, unzählige Glückshormone werden ausgeschüttet…
Gewalttat in fünf Akten!

Rückblende:

2010Sept. 2010:

Es fing alles mit einer Fehlentscheidung an. Ich habe in der Mittelbayerischen Zeitung von einem Staffelwettbewerb gelesen. Zehn Teammitglieder laufen jeweils ca. 7,5 Kilometer durch den Landkreis und es ist für einen guten Zweck. Alternativ konnte man die Strecke über 75km auch im Alleingang bezwingen. Da es bereits kurz vor Anmeldeschluss war, meldete ich mich spontan und total blauäugig als Einzelstarter an. Ca. 15 Monate vorher hatte ich mit dem Laufsport begonnen und es standen bis dato zwei Halbmarathons auf meiner Habenseite. Den LKL wollte ich nutzen, das erste Mal eine Marathondistanz zu bewältigen. Nach eben diesen 42 km wollte ich aus dem Rennen aussteigen, sofern ich überhaupt so weit kommen sollte.
Fünf Tage vor dem Start lernte ich Ralf Preissl im Sportgeschäft Lauf und Berg König in Regensburg kennen. Der bestärkte mich in meinem Marathonvorhaben, mahnte mich aber, es nicht zu schnell anzugehen. Ein sehr wertvoller Tipp, wie sich noch raus stellte.
Gesagt, getan. Obwohl es mir bei km 42 bereits richtig schlecht ging, puschte mich der Gedanke, einen (für mich damals unglaublichen) Marathon bezwungen zu haben so sehr, dass ich nicht ausstieg sondern mich weiter quälte. Kilometer für Kilometer. Da meine Ferse brannte, lief ich im Wechsel zwischen O-Beinen, X-Beinen, z.T. sogar rückwärts. Als ich dann nach 9:20 Std. die Stimme von Armin Wolf vernehmen konnte, setzte ich kurz vorm Ziel trotz unglaublicher Schmerzen zum Schlusssprint an. Geschafft! Mit Platz Neun sogar noch in den Top Ten! Statt meinem Vorhaben, einen Marathon zu finishen, zeigte meine Pulsuhr 75km an. Gänsehaut!!!
Da meine Vorbereitung dafür mies war, musste ich es tage-, sogar wochenlang spüren. Jeder Schritt tat weh, aber der Stolz, diese Leistung erbracht zu haben, war größer.

 

 

2011Sept. 2011:

Dieses Mal war ich dann schon etwas besser vorbereitet, aber dafür war die Strecke mit 83 km auch acht km länger. Anfangs lies ich mich von den Staffelläufern hinreißen und begann mit einem zu hohen Tempo. Das machte mir die zweite Hälfte unnötig schwer. Trotzdem konnte ich mich, im Vergleich zu meinem ersten Ultra im Vorjahr, steigern und finishte unter neun Std. mit Platz 8.

 

 

 

2012Sept. 2012:

Mit 84km war die Strecke ähnlich lang wie 2011. Neun Monate trainierte ich wie verrückt. Allerdings musste ich nach meinem Ironman Triathlon im Juni zwei Monate pausieren um meine Blessuren auszukurieren. Trotzdem hatte ich für den Lauf noch eine gute Grundlage und finishte unter 8:30 Std. auf Platz vier als bester Deutscher hinter einem Inder, einem Franzosen und einem Österreicher.

 

2013Sept. 2013:

Das Jahr der besten Form meines Lebens! Nach drei Vorbereitungen, die nicht ideal waren, war es 2013 so weit. Pokal oder Spital! Es war nicht schwer zu erraten, dass meine Freunde Vinodkumar Shrinivas und Jean Mary Martel wieder als Erster und Zweiter über die Ziellinie laufen würden. Aber Platz Drei war drin. An Unterstützung fehlte es auch nicht. Z.T. begleiteten mich die Staffelläufer von den beiden laufstilanalyse.de Teams und gelegentlich war Ralf Preissl mit dem Rad an meiner Seite und filmte mich bei meinem bisher leichtesten Ultra über 61 km. Geschenkt war auch dieser Ultra nicht, aber mit dieser Vorbereitung ging es mir sehr lange gut. Und selbst als ich nach acht von zehn Etappen in meiner Schwächephase war, konnte ich Minute um Minute auf den bis dahin drittplatzierten Carsten Hirte gut machen und an einer Verpflegungsstation an ihm vorbei ziehen. Platz 3!!! Erwartet und doch erleichtert, da ich lange Zeit nur an vierte Stelle lag.

 

 

 

2014Sept. 2014:

Leider wollte ich heuer zu viel und hörte nicht wie gewohnt auf meinen Körper. Am Ende kam eine total verkorkste Vorbereitung heraus. Aufgrund von Überlast und mehrmaliger Knochenhautentzündungen am Schienbein musste ich auf viele Lauf- und Triathlonwettkämpfe verzichten. Einen versöhnlichen Abschluss konnte mir nur noch der Landkreislauf bieten. Allerdings mit deutlich reduzierten Zielen. Ankommen war das Gebot der Stunde, eventuell noch mit den Top Ten liebäugeln. Es wäre total vermessen gewesen, nach einer Vorbereitung, die fast nur auf dem Rad stattfand, auf den dritten Platz zu schielen.
Durch die lange Laufpause fühlte ich mich wie ein eingesperrter Hengst. Der Wettkampf schien unendlich weit weg und ich hatte noch nie so eine Vorfreude! Besonders gefreut hatte ich mich auf den gemeinsamen Start mit Markus Winklmeier, der seinen ersten Ultra bestritt. Mit den Radbegleitungen Sabine, Toni und Christoph, die nach einer halben, bzw. nach einer Stunde zu uns stießen, waren wir bestens mit Getränken versorgt. Die Radfahrer kamen bewusst erst nach dem Entzerren der Läuferscharr zu uns, damit es nicht zu Störungen im Renngeschehen kommt. Das Anfangstempo war hoch, aber nicht so hoch wie befürchtet. Auch Markus hatte Probleme in der Vorbereitung und wollte dadurch lieber vernünftig laufen. Leider ging es ihm nach 17 km nicht so gut und er reduzierte vorübergehend das Tempo. Da ich enorm frisch war, versuchte ich auf das Ultra-Brüderpaar Nickel aufzuschließen, was mir in der vierten Etappe gelang. Da ich bergab nicht abreißen lassen wollte, ging ich das Tempo mit. Allerdings musste ich aufgrund meiner Knochenhautprobleme dazu in eine leichte Hocke gehen. Das schonte zwar mein Schienbein, ging aber extrem auf die Oberschenkelmuskulatur. Am Fuße des Berges angekommen, ging es nun zehn Kilometer flach an der Naab entlang. Hier lief ich auf dem feinen Schotter einen Schnitt von 4:20-4:40 Min/Km. Beim folgenden schlammigen Bergauftrail meldete sich meine Oberschenkelmuskulatur und ich legte eine Gehpause ein. Trotzdem konnte ich meine Position behaupten. Dies gab mir neuen Auftrieb. Durch die Radbegleitung waren selbst die langen Etappen kurzweilig. Die letzten zehn Kilometer verlangten dann nochmal mental alles von mir ab. Aber immer mehr stellte sich heraus, dass ich wieder auf Platz Drei einlaufen könnte. Weit vor und hinter mir war kein Ultra zu sehen. Dann endlich die Zielgasse. Viele Freunde standen Spalier. Mit einem breiten Grinsen forderte ich sie auf, mit mir ins Ziel zu laufen. Andrea von laufstilanalyse.de nahm ich dann 30 Meter vor dem Ziel noch Huckepack und trug sie über die Zeitmatte. 6:12 Std. und damit Platz 3! Vorjahresplatzierung wiederholt. Mit breiter Brust ging es abends zur Siegerehrung. Einziger Wehrmutstropfen: Markus, der mit Platz 5 einen gigantischen Einstieg in den Ultralauf hatte, konnte nicht zum Feiern kommen.
Für die Ultras gab es dann im Zelt eine La-Ola-Welle. Dabei fühlte ich mich trotz Schmerzen so lebendig wie noch nie!
Was wurde also aus meiner Fehlentscheidung, 2010 bei einem Ultralauf zu starten?
Als Einziger habe ich alle fünf Landkreisläufe als Ultra bezwungen. Jubiläum! Irgendwie doch keine so schlechte Entscheidung!

 Bilder:

2010

2011

2012

2013

2014

 
Consulting & Layout: Tele-Crew OHG