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Vom Nicht-Schwimmer/Nicht-Triathleten/Nicht-Wettkämpfer zum IRON(WO)MAN


Stepj


Los ging’s vor einem Jahr und ein paar Wochen...




Ich war sportmäßig für meine Verhältnisse ungefähr am Tiefpunkt, weil der Job und die jahrelange Wochenendpendelei mich immer mehr vereinnahmt haben und der geliebte Sport immer kürzer gekommen ist. Ich war richtig unzufrieden mit mir selbst.


Und dann sagte irgendwann auch noch mein topfitter Peter, der sich gerade in der Vorbereitung für den IM Mallorca befand: „Du, der Ralf überlegt, nächstes Jahr Klagenfurt zu machen. Vielleicht wär das auch mal wieder was für mich.“ Im ersten Moment dachte ich: „Nicht noch ein Jahr IM-Vorbereitung!!! Nicht noch ein Jahr, in dem er ständig trainiert... und ich nicht.“


Und genau das war des Rätsels Lösung: Mich hat genervt, dass er macht, was ich eigentlich machen will, aber nicht tue.




Also hab ich dem Ralf eine Mail geschrieben, ob das

eigentlich eine saublöde Idee ist, sich für einen IRONMAN anzumelden, wenn man noch nie einen Triathlon gemacht hat und eigentlich auch nicht schwimmen und nicht laufen kann und eigentlich auch nur sehr begrenzt Zeit für’s Training hat.

 


Ralf hat sofort geantwortet: „Super Idee! Mach das!! Lass uns heute Abend telefonieren!!“


Im Telefonat kam ich nochmals auf die oben genannten Bedenken zurück und Ralf meinte: „Steph, wenn du nur radeln kannst, bist du quasi prädestiniert für einen IRONMAN, weil die Radstrecke da richtig lang ist.“ Ich hab ihm das so einfach mal geglaubt. Zu Recht!! J




Zwei/drei Wochen später sollten die IM-Mallorca-Starter die Mitteldistanz in Obertrum als Vorbereitung machen. Da hat Ralf mich gefragt, ob ich auch in Obertrum dabei bin. Ich: „Klar... Als Zuschauer.“ Er: „Nein, da gibt’s so einen superkurzen Funtriathlon am Tag davor. Den machst gleich mal mit.“ Panik!! Nach etwas Gezeter hab ich mich aber angemeldet und bin dann auch gleich fast ausgeflippt vor Nervosität. Ich hatte es bereits erwähnt... Nichtschwimmer... und dazu kam noch: FREIWASSERANGST!!! Für die 200m beim Funtriathlon hab ich eeewig gebraucht, weil ich im Wasser nur noch Panik hatte. Ich konnte nicht mehr untertauchen, nicht mehr kraulen und hab nur noch hyperventiliert. Bin entsprechend sauspät aus’m Wasser gekommen – und hatte ab dann nur noch Erfolgserlebnisse (!!), weil ich die ganzen langsamen Leute auf der Radstrecke wieder einsammeln konnte. J Den kurzen 2km-Lauf im Anschluss hab ich irgendwie mit Puls am Anschlag durchgepresst und mich dann megamäßig gefreut, dass ich meinen ersten Triathlon geschafft hatte. In der Gesamtwertung war ich trotz des Schwimmens gar nicht so schlecht. Das Beste aber war, dass die ganze liebe Gruppe um Ralf im Ziel stand und mich bejubelt hat. Selbst nach so einem Miniding.




In der Folgezeit hat Ralf hat mir dann lockere Trainingspläne geschrieben, damit ich überhaupt mal wieder in einen Rhythmus von regelmäßigem Training komme. Und er hat weiter gedrängelt, dass ich Wettkämpfe machen muss, damit ich den Wechsel lerne. seufz




Also bin ich ein paar Wochen später in Schaffhausen zu so einer Art olympischen Distanz angetreten. Die Schwimmstrecke ging ca. 2km den Rhein (!!) runter. Man muss sich seinen Ängsten ja stellen... Peter hatte mir organisiert, dass ich mit den Triathleten vom DJK Singen an den Start gehe, damit ich nicht allein bin. Als die mit mir von der Wechselzone zum Start gelaufen sind und ich diesen riesigen Fluss gesehen habe, war mir aber klar, dass diese Veranstaltung heute leider ohne mich stattfinden wird. Ich hab mich in Gedanken schon die Rheinfälle runtertreiben gesehen... Horror!!


Aus irgendwelchen Gründen standen wir aber plötzlich doch am Start, alle hatten den Neo an, das Startsignal kam und ich musste losschwimmen. Mitten drin im Pulk. Point of no return. Nach kurzer Zeit kam wieder die Panik in mir hoch. Hab kurz überlegt, mich von einem der Kanus retten zu lassen, aber dann Gott sei Dank doch erst mal nachgedacht, was genau mir eigentlich fehlt. Und ich konnte nix finden! Keine Schmerzen, genug Luft, genug Kraft, noch immer in der Gruppe, inzwischen auch an den ersten Markierungen vorbei... Die Panik war nur gefühlt und im Kopf, hatte aber keinen Grund! Hab mich dann entschieden, weiter zu schwimmen und war dann sooooo euphorisch als ich wider Erwarten tatsächlich am Ende der Schwimmstrecke angekommen bin (noch dazu in passabler Zeit), dass ich auf der Radstrecke gleich Vollgas gegeben hab. Auf der Laufstrecke das gleiche. Höhenflug!!! Bin mit einer super Zeit ins Ziel gekommen und im 7. Himmel geschwebt. Mein erster richtiger Triathlon!! Und er hat auch noch so tiptop geklappt!!! Ab da war’s mit diesem Sport um mich geschehen.




Ein paar Wochen später bin ich noch in Stockach bei einer olympischen Distanz angetreten. Die Vorzeichen waren schlecht, denn ich bin von München am Abend vorher erst spät nachts in Singen angekommen, war aber in der ersten Startgruppe. Viel zu wenig geschlafen. Null vorbereitet. Gestresst aus der Woche. Aber egal, es ging ja um nix, außer um Übung, also bin ich hingefahren. Vor Ort wurde mir mitgeteilt, dass man keinen Neo anziehen darf. Da hat’s mir noch mehr gereicht. Ich musste die 1,5km also tatsächlich selbst schwimmen (ohne Neo und ohne die angenehme Strömung vom Rhein). Ein purer Kampf. Mehr als 1km!! Soooo weit!!!! Die Laufstrecke war auch noch hammerhart mit einem unerwartet langen Anstieg. War für mich ein ziemlicher Kampf, die ganze Veranstaltung, aber solche Erfahrungen gehören dazu, und es hat mir Mut gemacht, dass ich durchgekommen bin, obwohl ich körperlich alles andere als gut drauf war.




Das nächste Highlight war dann Mallorca, wo Ralfs Gruppe beim IM gestartet ist. Ich bin zum Anfeuern/Supporten mitgefahren und hab die Tage für mich als kleines Trainingslager genutzt. Auf Mallorca hatte ich zwar krankheitsbedingt ein paar Ausfälle, aber die Zeit war trotzdem super. Als ich dann am Morgen des IM Mallorca neben dem Schwimmstart stand, hab ich mich schon fast nicht mehr eingekriegt vor Aufregung, weil mir dann so langsam, aber immer sicherer bewusst wurde, dass das nächste Mal, wenn ich so ein IRONMAN-Startsignal höre, ich selbst in die Fluten hechten und losschwimmen muss. Gleichzeitig hat es mich da schon fast mehr aufgeregt, dass ich „nur“ zuschauen und nicht selbst gleich mitmachen durfte...




Den Winter über hab ich dann – soweit jobmäßig möglich – Ralfs Pläne umgesetzt und gemerkt, dass meine Form immer besser wird. Mit dem Schwimmen habe ich immer noch ein bisschen gekämpft, aber da hab ich in München einen netten Verein (SCW) gefunden, wo ich ein- bis zweimal die Woche mittrainieren konnte. Da war ich zwar immer auf der allerlangsamsten Bahn, aber ich hab das Training halbwegs überlebt und mich auch mehr und mehr an den Gedanken gewöhnt, dass man tatsächlich regelmäßig mehr als 10 Bahnen schwimmen kann. Und irgendwann hab ich auch tatsächlich Fortschritte festgestellt.




Die nächste Hürde kam dann im Winter als das Thema „Langlaufen“ aufkam. Für mich bisher immer eine der langweiligsten Sportarten auf dieser Welt, vor allem, wenn ich irgendwo unterwegs bin, wo ich auch richtig Skifahren könnte. Von klein auf bin ich begeisterter Alpinskifahrer und konnte mir eine Saison ohne (echtes) Skifahren nicht vorstellen. Diese Diskussion hatten wir schon auf Mallorca, aber Ralf hat nur ganz cool gesagt: „Steph, kuck auf der Laufstrecke ab Kilometer 25 in die Gesichter der Leute und dann überleg dir selbst, ob Alpinskifahren eine gute Vorbereitung ist.“ Er hatte ja so Recht....




Eines Tages stand eine 3h-GA1-Langlaufsession auf dem Plan. Wir waren an dem Wochenende in Singen und haben beschlossen, dass wir die Langlaufrunde im Schwarzwald machen. Bei unserem eher spanischen Wochenendtagesrhythmus sind wir natürlich so spät an der Loipe angekommen, dass es gerade dunkel geworden ist. Und wie’s ein grausamer Zufall wollte, gab es auch an diesem Tag keine Flutlichtbeleuchtung. Und außerdem hatten wir nur eine funktionstüchtige Stirnlampe für zwei Leute dabei. Und es hat geschneit wie blöd, so dass die Loipe (die um diese Zeit selbstverständlich nicht mehr nachgespurt wurde) irgendwann auch weg war. Und – wie ich später erfahren habe – waren meine Langlaufskier zu kurz, so dass ich gar nicht ins Gleiten kommen konnte. Perfekte Bedingungen... Hammerhart haben wir die drei Stunden aber durchgezogen. Mit Langlaufen hatte das zwar nicht viel zu tun, weil wir mehr rumgestolpert sind, aber ich blieb brav in GA1, sonst hätte ich gar nicht genug Luft zum Schimpfen gehabt. Wie auch immer. Am Ende haben wir drüber gelacht. Eine weitere Kultsession war überstanden.




In Kaprun waren wir dann später tatsächlich auch noch mal beim Langlaufen. Inzwischen war ich so auf Triathlon gepolt, dass ich gar nicht mehr Alpinskifahren wollte, weil ich so Sorge hatte, dass ich mich verletzen und damit den IM riskieren könnte. Wir sind nur einmal im Januar 4 Tage mit den Kids Ski gefahren. Danach war’s dann auch tatsächlich genug. Unfassbar!!




Daneben hatte ich an Weihnachten noch das Erfolgserlebnis, dass ich volle 3km geschwommen bin. Am 23.12.2015: 30x100m... und danach war ich nicht mal wirklich kaputt!! Hammer!!




Nach und nach wurden die Wochenendeinheiten krasser, weil man sich langsam an längere Distanzen gewöhnen musste. Bei dem Mistwetter teilweise wirklich hart. Ich erinnere mich an eine Wochenendsession mit 3km Schwimmen und 16km Koppellauf, wo wir nachts im Schneegestöber durch den Olympiapark gestolpert sind, um danach festzustellen, dass die Duschen im Olympiabad kalt sind. Einmal sind wir 3 oder 4km im Dantebad geschwommen und anschließend 20km im strömenden Regen gelaufen, so dass die Finger sogar durch die (angeblich wasserabweisenden) Handschuhe durch verschrumpelt waren.


Aber irgendwie hat man sich am Ende dieser Einheiten immer saugut gefühlt und das verdiente Essen danach hat immer besser geschmeckt!! Und irgendwann haben die langen Einheiten auch gar nicht mehr so sehr weh getan.




Anfang März sind Peter und ich eine Woche nach Barcelona gefahren und haben dort – nach Ralfs Anweisung – unser kleines Privattrainingslager gemacht. Das war anstrengend, aber echt super!! Und an meinem Geburtstag bin ich dort tatsächlich zum ersten Mal 5km geschwommen!!! Unfassbar!!!


Ein weiteres Highlight war, dass ich in Barcelona endlich mal mein nagelneues Airstreeem auf die Straße bringen konnte. Was für ein Gefühl!! Mein erstes Aerorad!! Besser als Fliegen!!!!!! ... zumindest, wenn der Wind nicht in Böen von der Seite kommt. Da war auch noch eine Hammereinheit, wo wir bei übelstem Wind in den Lenker gekrallt stundenlang geradelt sind und uns nicht getraut haben, aufzuhören, obwohl alles schrecklich war, weil der Ralf gesagt hat, dass wir mindestens 4h durchradeln müssen, bevor wir die erste Pause machen dürfen. Die Fahrt war wegen des Windes aber so anstrengend, dass wir nach den 4h (oder eher später) in Sitges eine kleine Bäckerei komplett plündern mussten. Die Bäckerin hat nur noch gelacht. Wir später auch.




Kurz drauf stand wieder ein hartes Koppelwochenende an: 6km schwimmen und 30km laufen. Weil Peter an dem Wochenende krank war, konnte er mich coachen und versorgen. Ich bin also 6km in Schaffhausen geschwommen und dann den Weg von dort zurück nach Singen gelaufen. Wahnsinn! Noch mal die bisherigen Leistungen getoppt. Und wieder ging es mir danach eigentlich ganz ok.




Danach ging’s erst mal ziemlich drunter und drüber, weil ich zwischenzeitlich einen neuen Job am Bodensee gefunden hatte. Vorher musste ich noch alles in München erledigen: Arbeiten bis zum Schluss, Formalkram, Umzug, alte Wohnung renovieren, neues Haus einrichten etc etc. Es mussten leider etliche Einheiten ausfallen oder erst im Mondschein stattfinden. Auch nicht ideal. Aber solche Phasen kommen halt auch mal vor.




Zwischen den beiden Jobs und dem Umzug hatte ich dann eine Woche frei. Da hab ich die Zeit gleich mal genutzt und bin ein paar Mal in meiner neuen Heimat zum Radeln gegangen, u.a. um den Bodensee. Der erste Versuch hat leider nach 150km geendet, weil das Wetter einfach zu übel wurde.




Insgesamt hat dieses verregnete Frühjahr einem die Radsaison schon ziemlich vermiest. Ich stand mehrfach patschnass und halb erfroren da und musste Einheiten abbrechen, weil einfach nix mehr ging. Ich muss zugeben, dass mir dann ab April, als der neue Job und das Sauwetter am Wochenende ganz schön Gas gegeben haben, immer öfter die Motivation für’s Training gefehlt hat. Vor allem, weil die Einheiten dann teilweise echt richtig hart waren. Bei einer 180km-Radl-20km-Koppelsession dachte ich, ich verende beim Lauf. Da hab ich auch mal gelernt, wie wichtig das mit der Wettkampfernährung bei so langen Belastungen ist.




Und ich muss auch zugeben, dass ich seeeehr oft auf der Abmeldeseite von IRONMAN war, auch wenn ich rückblickend sehr froh bin, dass ich nie endgültig auf den Abmeldebutton geklickt habe.




Spätestens im laufstilanalyse.de <http://laufstilanalyse.de/>-Trainingslager in Kaltern hab ich gemerkt, dass die Form wirklich gut ist, und sich das Kämpfen der letzten Monate tatsächlich gelohnt hat. Und die Motivation war auch in der coolen Gruppe um Ralf einfach eine andere als wenn man seine Einheiten alleine (und im nasskalten Dreckwetter) abspulen muss.


Ein kleiner persönlicher Tiefpunkt war noch, dass ich in Kaltern wieder erst mal nicht im See schwimmen konnte. Die alte Panik war wieder da nach der langen Freiwasserpause. Zum Heulen!! Und das vier Wochen vor dem Wettkampf!! In der Übungsmitteldistanz (übrigens meine erste Mitteldistanz) hab ich mich dann doch ins Wasser gezwungen. Hat sich für mich zwar ganz schrecklich angefühlt, und ich hab mich auch noch völlig verschwommen, aber danach wusste ich immerhin, dass ich auch weitere Strecken im Freiwasser überstehen kann, selbst wenn es sich nicht gut anfühlt.


Die Radtouren in Kaltern waren dafür der Hammer!! Die lange Tour an den Gardasee und das Mehrfachkoppeltraining waren einfach nur geil!! Die Trainingswoche in Kaltern war die härteste, die ich je gemacht hab, und ich hätte im Traum nicht gedacht, dass ich das alles schaffe, was Ralf da von uns verlangt. Aber es hat alles geklappt. Und am Ende hat sich’s auch gar nicht so schlecht angefühlt!




Danach durften wir noch mal zwei Wochen erholen (was auch nötig war!!), dann stand der „längste Tag“ an (130km radeln und 20km laufen) und am nächsten Tag noch die olympische Distanz in Kraichgau. Da war ich auch wieder meeeeeganervös und bin wieder fast durchgedreht, nicht nur wegen des Schwimmens, sondern weil Wettkämpfe für mich zumindest bis zum Start die Hölle sind. Ich hätte wirklich gerne noch mal das Schwimmen geübt, aber 2 min vorm Start wurde wegen Gewitterrisikos der Wettkampf kurzfristig in einen Bike&Run umgewandelt. Also, keine Schwimmübung mehr vor dem großen Tag, sondern direkt rauf auf’s Radl. So wie sich die Beine nach dem längsten Tag angefühlt haben, hätte ich nicht mal damit gerechnet, dass ich es überhaupt schaffe, auf’s Rad aufzusteigen, aber auf einmal ging’s dann doch ganz gut, und ich hatte selbst auf der Laufstrecke am Ende noch richtig Power. Saucoooool!!!!




Die Wochen drauf war noch mal alles easy... zumindest vom Training her, denn die Nervosität vor dem IM hatte mich schon komplett gepackt. Ich hatte echt Angst vor dem großen Tag.




Wir sind dann zum Tapern am Dienstag vor dem Wettkampf schon nach Klagenfurt gefahren. Da bin ich am Anfang fast durchgedreht, wenn ich nur das IM-Zeichen irgendwo gesehen habe. Als wir dann auf der Messe waren und tatsächlich die Startunterlagen geholt haben, wurde alles so unerträglich real, dass ich gar nicht mehr klar denken konnte.


Gut war aber, dass die Gruppe an sich ziemlich relaxt war, und dass die Trainingseinheiten alle recht entspannt verliefen. Je näher der Wettkampf kam, umso ruhiger wurde ich plötzlich. Zumindest bis es dann tatsächlich los ging...




DER GROSSE TAG!




Beim Schwimmstart war ich unfassbar angespannt. Hab mich noch von Peter verabschiedet, der weiter vorne losgeschwommen ist, und bin dann irgendwohin, wo ich gehofft hab, dass die Leute da ähnlich schwimmen wie ich. In den letzten Minuten vorm Start war die Anspannung fast nicht mehr zu ertragen. Und dann war ich vorne und musste über die Zeitmessmatte. Ab dann war’s offiziell: ICH MACHE EINEN IRONMAN!!




Bin los und stand dann ca. eine Minute in Schockstarre bis zur Hüfte im Wasser, links und rechts von mir sind die Leute nur so rein gehechtet... und ich hab nur versucht, meine Atmung in den Griff zu bekommen. Ralf hatte mir im Vorfeld gesagt, dass ich mich am Start nicht stressen lassen und einfach nur schauen soll, dass ich ruhig werde, weil das Rumgehetze am Anfang auf den langen Tag gerechnet gar nix bringt. Und auch da hatte er wieder total Recht!! Als ich schließlich halbwegs normal atmen konnte, hab ich mich auch in die Fluten geworfen und bin los geschwommen. Die ersten 100m waren noch ganz schlimm, weil alles so vor Aufregung gekribbelt hat, dass ich dachte, ich kann nicht mehr schwimmen. Gleichzeitig hätte ich es aber so extrem uncool gefunden, den IM schon nach 100m abzubrechen, dass ich notgedrungen drangeblieben bin. Der Weg zur ersten Wendeboje kam mir unendlich lang vor und ich hatte das Gefühl, dass ich da nie ankomme, aber andererseits war ich immer in einem Pulk von Leuten, so dass mir klar war, dass die ja auch noch alle auf der Schwimmstrecke unterwegs sind und die Cut-Off-Zeit wohl nicht das Problem sein wird. Bei der Wende war ein bisschen Geprügel und viele Wellen, aber irgendwie hatte ich mich bis dahin so weit eingegrooved, dass ich ganz gut mitschwimmen konnte. Nach der zweiten Wendeboje wusste ich gar nicht mehr, wo’s hingeht, weil ich den Eingang zum Kanal einfach nicht gesehen habe. Aber Orientierung war noch nie so mein Ding, weder im Wasser, noch an Land. Da bin ich halt dem Pulk nachgeschwommen, im Zick-Zack, weil der Pulk so weit gestreut war. Irgendwann war der Kanal plötzlich doch da. Auf den hatte ich mich eigentlich recht gefreut, weil ich wusste, dass ich dort stehen kann und das Risiko zu Ertrinken damit gebannt war, aber da war es dann doch sehr eng und somit ein rechtes Geprügel; ständig hat einem jemand die Arme oder Beine weggehauen. Ich war echt happy, als ich nach 1:23h endlich den Ausstieg erreicht hab!! Man wird dann schnell aus dem Wasser gezerrt, damit man nicht in Versuchung gerät, sich irgendwo hinzulegen (was sehr verlockend gewesen wäre), also bin ich die Matte hochgelaufen und hab versucht, mir den Neo runter zu reißen. Da standen dann Alex und Dani und haben voll gejubelt, als sie mich gesehen haben! Das hat mich irre gepusht!!




Der Wechsel selbst war relativ stressfrei. Hab mich drauf konzentriert, dass ich nicht was Wichtiges im Wechselbeutel vergesse. Hat gut geklappt. Danach ging’s rauf auf’s Rad. Meine Disziplin!!! Ich hab – weisungsgemäß – versucht, dass ich mich bissl zurücknehm und mich nicht auf den ersten paar Kilometern gleich verballere, was sehr sinnvoll war. Wegen der komischen Windschattenregel hab ich aber relativ schlecht meinen Rhythmus gefunden, weil ich mich entweder langsam hinter den Vordermännern zurückfallen lassen oder mit mehr Kraftaufwand als gewollt überholen musste. Nach einiger Zeit ging’s dann aber doch ganz gut. Die Berge hoch hab ich bewusst locker genommen und konnte dafür immer oben gleich weiter fahren. Bergab hab ich Speed gemacht. Am Ende der ersten Runde hatte ich einen Schnitt von ca. 29,5 km/h, was mich bei den vielen Bergen schon gefreut hat. Ich hab mich dann mal kurz ziemlich müde gefühlt, aber der nächste Energieschub kam, als ich bei der Eigenverpflegung die ganzen lieben Mädels von laufstilanalyse.de <http://laufstilanalyse.de/> gesehen hab, die mir besser als bei jedem Formel1-Boxenstopp die Flaschen gewechselt haben. Hammer!!! Bin dann gleich weiter geflitzt. Dann ging’s leider schon etwas los mit dem Bauchweh, aber auf dem Rad hab ich das irgendwann wieder in den Griff bekommen. Dazwischen hab ich mich noch damit beschäftigt, die übrigen Salztabletten, die ich mir wie das Muttertier Ralf auf den Rahmen geklebt hatte, nach und nach aufzuessen, bevor der Platzregen sie mir davon schwemmt. Beim Regen bin ich bergab etwas langsamer gefahren, aber das Wetter hat mich ansonsten nicht gestresst, weil ich ja dieses Jahr mehr als genug Übung mit Regenradfahrten sammeln konnte. Auf der zweiten Runde standen dann an dem steilen Anstieg hinter St. Niklas meine Tante und mein Onkel, die zufällig dort Urlaub gemacht haben, und haben mich laut angefeuert. Der nächste Motivationsschub! Es ist echt nicht zu fassen, wie sehr das pusht, wenn man liebe Leute an der Strecke trifft! Irgendwann tat leider ganz schön der Rücken weh und die Beine wurden auch bissl schwerer, aber ich konnte den Schnitt halten. Zwischenzeitlich hätt ich noch fast meinen hinteren Flaschenhalter abgerissen, der nach unten abgestürzt war. Solche Sachen gehören wohl einfach dazu. Am Ende bin ich nach 6:07h zurück in den Wechsel gekommen und war mit der Radperformance top zufrieden.




Auf der Laufstrecke konnte ich am Anfang noch ganz gut laufen. Musste hin und wieder noch anhalten, um meine Schuhe zu richten, weil die in jeder Position gedrückt oder gescheuert haben. Als ich das wieder im Griff hatte, ging leider das Bauchweh los, auf das ich fast schon gewartet hatte... was für eine Qual. Ich hab dann lange noch versucht, nur bei meiner Pampe zu bleiben und immer genug zu trinken. Vielleicht hab ich da zu viel Wasser erwischt oder zu wenig Salz genommen oder was auch immer. Jedenfalls wurde der Bauch nicht besser, egal, was ich gemacht hab. Ich bin dann weite Teile gegangen. Die Zeit hat mich dann auch nicht mehr so interessiert. Aber auch gehend legt man Strecke zurück, wenn auch nicht so schnell. Irgendwann war die erste Runde rum und ich hab das zweite coole Bändchen ums Handgelenk bekommen. Bei der Eigenverpflegung bei ca. Kilometer 23 konnte ich mich noch mal mit Hypo aufpeppen und die lieben Supporter sehen. Top!! Da ging’s dann wieder einige Kilometer besser bis sich wieder der Bauch gemeldet hat. Ich bin dann immer abwechselnd gegangen und gelaufen. So gegen Ende der Strecke hab doch mal angefangen zu rechnen und festgestellt, dass ich tatsächlich trotz der Schildkrötenlaufperformance noch eine Zeit mit einer 12 davor nach Hause bringen könnte. Das hat motiviert. Und dann stand auch schon Alex da und hat geschrien, dass ich’s gleich geschafft hab. Die laufstilanalyse.de <http://laufstilanalyse.de/>-Mädels haben mir noch zugerufen, dass ich’s genießen soll. Ich dachte nur: „Das geht nicht mehr!!“ Aber dann war ich doch so beflügelt, dass ich die letzten Kilometer noch durchgelaufen bin. Und als ich um die Ecke zum Ziel gebogen bin und den IRONMAN-Ziel-Teppich betreten hab, hat’s mich auch gepackt!! Juuuuubel!!! Ich hab’s geschafft!!!! Was für ein Gefühl!!!! Waaaaaahnsinn!!!!!!! Nur noch die Arme hochgerissen und alles rausgeschrien!!!! Und dann kam der Hammersatz, auf den ich so lange gewartet habe: „Stephanie... YOU! ARE! AN! IRONMAN!!!“ Und das mit 12:52h.




Danke an Ralf für das super Trainingsprogramm, das mir ermöglicht hat, trotz der relativ knapp bemessenen Freizeit so eine Mammutleistung zu bringen! Und danke an Peter, der, obwohl er selbst mit seinem Training gekämpft hat, all meine Höhen und Tiefen, guten und vor allem schlechten Launen ertragen hat. Und danke an die geile Gruppe von laufstilanalyse.de <http://laufstilanalyse.de/>, die immer an oder auf der Strecke supporten und motivieren!!




Ich sag nicht, dass der Weg einfach war. Und ich hatte durchaus Zeiten, in denen ich alles hinschmeißen wollte. Aber jetzt bin ich sooooo froh, dass ich’s durchgezogen habe! Und der Klaus hatte Recht: Hinterher ist alles anders. Denn dann ist man ein IRONMAN!

 
Consulting & Layout: Tele-Crew OHG